Die Bevökerungsentwicklung bis zum Jahr 2025 von 3000 Gemeinden ab 5000 Einwohner lässt sich unter der Website wegweiser-kommune.de abrufen.
Dies ist eine meine Lieblingsseiten. Basierend auf nunmehr aktualisierten Daten des Jahres 2006 zur Bevölkerungsstruktur und Wanderbewegungen stehen die Ergebnisse einer langfristigen Prognoserechnung entweder interaktiv auf der Website oder als Download zur Verfügung.
Zentrale Erkenntnisse sind die hohen Anteile, die Senioren in den Gemeinden bis 2025 erreichen, z.B. 15,3 % in Hoyerswerda und 10,8 % in Baden - Baden. Insgesamt nimmt zudem die Stadtflucht zu, Dresden plus 8%, München plus 11,7 usw. Aber Vorsicht, auch hier muß man differenziert betrachten: Wolfburg verliert 8,7 % seiner Einwohner, Chemnitz 15% und Gelsenkirchen 10%.
Die Bedeutung der Änderungen in der Bevölkerungsstruktur einzelner Gemeinden für Logistik, Marketing und Verpackung habe ich vor einigen Monaten bereits thematisiert. Die neuen Zahlen aus des Wegweiser Kommune bestätigen den Trend deutlich.
Der aktuelle Shopping-Center-Report des EHI meldet 12 neue Center für 2006, 15 neue Center in 2007 und erwartet bis 2010, dass die magische Zahl von 450 Centern ereicht wird.
Die Mietpreise in den 1A – Lagen der Großstädte steigen seit Jahren, als Beispiel sei hier nur die Ehrenstrasse, unweit des EHI Büros in Köln, genannt, wo die Ladenmieten in zwei Jahren um 40% gestiegen sind.
Die Nachfrage gerade des filialisierten Einzelhandels nach Ladenflächen konzentriert sich auf exponierte, zentrale Lagen. Die richtige Standortwahl ist einer der ganz entscheidenden Erfolgsfaktoren im Wettbewerb um den Konsumenten und seine Ausgaben. Da ist es nahe liegend dorthin zu gehen, wo die Konsumenten in Masse zu finden sind. Dies sind eben die Shopping-Center und die 1A-Lagen der Großstädte.
Dieser starke Konzentrationsprozess bedeutet für die nicht so starken Standortlagen Effekte, die teilweise mit „Versorgungslücke“, „Erosion der Einzelhandelsflächen“, „Verödung“, „Leerstand“ bezeichnet werden. Das hier die Mietpreise stagnieren oder rückläufig sind, ist klar.
Gerade dieses Umfeld bietet Chancen für eine umsichtige Standortplanung des Handels. Folgt man nicht dem Gold Rush auf die teuren 1A Lagen, so ist mit einer fundierten Analyse manch erschwinglichen, alternativen Standort zu identifizieren.
Zunächst gibt es Suchstrategien, die eine Liste von potenziellen Standorten liefern. Wesentlich ist hierbei natürlich die Kriterienwahl, die sich häufig auf soziodemografische Daten wie Bevölkerung, Altersstrukturen und Haushaltsstrukturen oder Kaufkraft beziehen. Darüber hinaus macht es aber absolut Sinn Wettbewerber mit in die Kriterienkatalog aufzunehmen.
So kann eine Whitespot-Analyse, deutschlandweit oder auch nur regional durchgeführt, Standorte identifizieren, wo Wettbewerber bzw. auch das eigene Unternehmen bisher nicht vertreten sind. Eine Rucksack–Analyse dagegen verfolgt genau die gegenteilige Strategie. Man hängt sich an Unternehmen und sucht deren Nähe, weil das eigene Angebot ein gutes Komplementärsortiment darstellt oder bei den Kunden eine hohe Überschneidung erwartet wird.
Nicht alle Standorte werden dann tatsächlich entwicklungsfähig sein. Detaillierte Standortbewertungen, die auf tatsächlichen Wegstrecken und -zeiten, auf Straßenzug genaue Haushaltsdaten und Kaufkraftziffern beruhen, liefern Umsatzprognosen.
Ausgestattet mit einem solchen Arsenal an Analysewerkzeugen besteht für den Einzelhandel auch die Möglichkeit jenseits explodierender Mieten in 1A Lagen und Shopping Centern ein funktionierendes Filialnetz zu entwickeln.