
Pünktlich am Freitag finde ich unser Regionalblatt „Das Pulheimer Wochenende“ im Briefkasten. Diese Zeitung finanziert sich ausschließlich durch Werbung, was die Menge an beigelegten Flyern eindrucksvoll belegt. Es handelt sich um ein buntes Sammelsurium aus Möbel-, Drogerie-, Lebensmittel-, Elektronik und anderen Händlern. Allein die TOP 15 der Handelsunternehmen mit dem größten Etat – und dazu zählen: MediaMarkt/Saturn, Lidl, Aldi, C&A, Schlecker, Edeka und Rewe - investierten 2006 laut Nielsen Media eine Summe von 2 Mrd. Euro in die Werbung. 70% dieses Budgets fliessen in das Druckerzeugnis Flyer als Beilage und Hauswurfsendung.
Der Handel hat mit dieser Werbeform grosse Erfahrung und weil er es auch beherscht über Werbekostenzuschüsse eine Refinanzierung sicherzustellen, setzt er trotz Streuverlusten und teilweiser kruder Machart (Stichwort : Schweinebauchanzeigen) auch weiterhin auf Bewährtes.
Dennoch geht der Anteil am gesamten Werbeverhalten laut aktueller Forschung aus dem EHI in den nächsten 3-5 Jahren auf 61% zurück.
Aufholen wird zum einen das Internet. Hier schlägt das veränderte Medienverhalten durch, lt. Studien von ARD und ZDF wächst die absolute Online-Nutzungsdauer konstant an, übrigens nicht zu Lasten der Fernsehens. Offenbar sind gerade die Jungen multitasking-fähig und surfen im Netz, während im Hintergrund der Fernbseher läuft. Es ist natürlich folgerichtig, daß der Handel in den Medien wirbt, die die Kunden nutzen.
Ganz spannned ist zudem der andere Wachstumsbereich der Handelswerbung. Investitionen werden in der Filiale getätigt, dort wo der Kunde unmittelbar beeinflusst wird. Diese vermehrten Aktivitäten im Instore-Marketing schlagen sich in Plakaten, Deckenhängern, Zweitplatzierungen, Verkostungen, Regalstoppern, Bildwänden aber auch in elektronischen Medien, wie Bildschirmen und Instore-Radio/-fernsehen nieder.
Während der Handzettel nach wie vor als Favorit für die Ankurbelung des Absatzes gelten muss, findet die Neuorientierung des Handels auf die Positionierung der Retail-Brand, auf den Dialog mit dem Kunden und auf Qualität statt Preis ihren Niederschlag im Geschäft.
Nun sollte man sich natürlich schon fragen, wie es um den Beitrag des Sortimentes steht. Egal wieviel der Handel, um das Sortiment herum an Kommunikation aufbaut im Zentrum steht zu allererst das Produkt und das steckt in einer Verpackung.
1 % Umschichtung im Werbeverhalten des Handels bedeutet, daß 80 Mio. EUR bewegt werden - ein Anknüpfungspunkt, wenn die Frage aufkommt wer denn die schöne neue Verpackung bezahlen soll?