Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in der heutigen Ausgabe über meine Forschungsergebnisse zu Self Scanning und Self Payment an der Kasse. Die Einführung dieser Selbstbedienungskonzepte im Einzelhandel bei real,- oder HIT sowie einigen Textileinzelhändlern erweisen sich nicht als Selbstläufer.
Über das Kassentisch-Layout des Discounters mit fehlendem Nachlaufband steht im Artikel:
Das führe „zu einer Stresssituation beim Verbraucher“, sagt Atzberger - und lässt ihn noch schneller einpacken. Das frustriere den Kunden aber nicht - er gehe schließlich mit einer anderen Erwartungshaltung zum Discounter als etwa in den Supermarkt.
Ich denke hier gibt die Autorin einen wichtigen Gedankengang wieder. Die Erwartungshaltung bestimmt in hohem Maß die Kundenzufriedenheit. Der Wettbewerb zwischen Vollsortimenter und Discounter ist daher nicht immer objektiv zu bewerten, sondern spielt sich auch in einer höchst subjektiven und emotionalen Dimension ab.
Es passt nicht mehr. Das Bild vom klassischen Supermarkt oder Fachgeschäft als Innovator und dem Discounter, der nur abkupfert und verramscht, ist so nicht zu halten.
Die Beispiele sind vielfältig. Geht man durch einen Aldi fallen einem die vielen exzellenten Primärverpackungen auf, die durch eine durchdachte Funktionalität überzeugen. Sicherlich würden wir ohne Discounter auch heute noch weiterhin den Milchkarton aufreißen und nicht bequem aufdrehen und wieder verschließen.
Apropos Bequemlichkeit, die Discounter haben bei Einführung des Flaschenpfandes die gewichtigen Vorteile der PET-Flasche erkannt und konsequent auf diese gesetzt. Diese kundenfreundliche Innovation hat ihnen erhebliche Marktanteile eingebracht. Schade nur, dass damit die PET-Flasche ein wenig ein billiges Image bekommen hat, obwohl mittlerweile auch erfolgreiche Markenartikler wie Gerolsteiner PET im Sortiment vertreiben.
Die Vielfach zitierten Flopquoten bei Produktneueinführungen im Supermarkt und SB-Warenhaus sind eben kein Beleg für die Innovationskraft des Vollsortimenters, sondern eher ein Beleg für zu wenig vorbereitete Einführungen. Man kann hier nur auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie verweisen.
Aber auch bei technisch-organisatorischen Innovationen zeigen sich die Discounter ideenreich. Mehrere Barcodes auf einem Artikel erlauben ein schnelleres Scannen an der Kasse. Selbst gestandene Markenartikler bringen nach einer Einlistung im Discount mehrere Barcodes an, obgleich sie sich dieser ‚Designsünde’ doch bisher immer verwehrten. Bis 2010 steht die Einführung der neuen kompakten Strichcode-Symbologie GS1 DataBar an, so dass möglicherweise Designer und Techniker auch im klassischern Handel sich versöhnen werden.
Eine andere vom Discounter getriebene Innovation habe ich an dieser Stelle schon häufiger ausgelobt: farbige, verkaufsaktive Umverpackungen, die sich aufgrund der beschleunigten Arbeitsvorgänge insbesondere am Regal praktisch bei 100% des Discountsortimentes finden. Seit kurzem propagieren nun auch führende Filialisten wie Tesco oder Carrefour diese Lösungen unter dem Kürzel SRP. Bei deutschen Handel finden wir eine SRP-Quote von knapp unter 50% vor.
All jene, denen der Vollsortimenter und der Markenartikler am Herzen liegen, müssen also aufpassen, nicht in alten Denkmustern zu verharren. Innovation ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren und der Discounter hat zumindest kräftigst aufgeholt, wenn nicht gar überholt.