Netterweise durfte ich auch einige Fragen zur Situation an der Kasse beantworten. Besonders freute mich, daß ich einmal zur Frage “Sind effiziente Kassiervorgänge und Kundenfreundlichkeit überhaupt in Einklang zu bringen?” mit “Wenn Sie in der Schlange stehen, wünschen sich Kunden nichts mehr als eine schnelle Abwicklung.” antworten durfte und außerdem die Formulierung unterbringen konnte: “Die Begegnung mit der Kassiererin wird oft zu einem sozialen Höhepunkt stilisiert, dem die Realität nicht standhält.”
Das ganze Interview gibt es inkl. der Coverstory und einem einfachen Praxistest der Redaktion in der LP 20/2009.
Am 19. Oktober veröffentliche ich eine Einschätzung zum Versandhandel. Am 20. hisst Quelle die weisse Fahne und verkündet die Abwicklung.
Die vielfältigen Journalistenanfragen hierzu beantworte ich aber im Dictus der gestrigen Blog Meldung: “Die negative Entwicklung der ehemals stolzen Quelle ist tragisch, aber nicht sinnbildlich für den Versandhandel. Der Versandhandel ist nicht tot. Im Gegenteil er wächst.”
Die Schwierigkeiten im Umfeld mit der KarstadtQuelle Insolvenz, einbrechende Umsätze, fehlende Finanzierung, ein schwieriges Umfeld für Universalversender und kleinere Fehler bei der Online-Strategie summieren sich zum Abwicklungsfall.
Während ich im Urlaub die Sonne geniesse, hat der WDR5 unter der Überschrift Das Grosse Umräumen einen Beitrag veröffentlicht, der das Phänomen Handelsmarken untersucht.
Wie häufig in Medienberichten schwingt eine gewisse Kritik mit, die Qualität der Produkte leide aufgrund der Nachfragemacht des Handels und des profitgetriebenen Drucks, den dieser auf die (bemittleidenswerten) Hersteller ausübe.
Sicherlich eine Ansicht, die zur Diskussion fordert. So offenbart der Beitrag durch einige der O-Töne von Endkunden deutlich wie hoch deren Ansprüche an Produkt, Verfügbarkeit und Bequemlichkeit bei geringer Bereitschaft zu höheren Preisen ist. Diese Einstellung ist aus meiner Sicht ein ganz wesentlicher Ursprung des festgestellten Drucks. Er nimmt zunächst im Preiswettbewerb innerhalb des Einzelhandels Form an und wird dann sukzessive durch die Kette gereicht.
Sicherlich ein herausfordernder und hörenswerter Beitrag. Ich freue mich auf Kommentare!
“Der Name kommt von Hermann Tietz. Meine Grossmutter sagte immer Tietz nicht Alsterhaus.” (Blog-Leserin Susan)
Nachdem Hertie bereits einmal aus der deutschen Handelslandschaft verschwunden war, als Karstadt die kleinere Gruppe übernahm, verabschiedet sich nach einem kurzen Gastspiel jetzt diese einstmals starke Handelsmarke wieder aus Deutschland.
In zwei Beiträgen von Nachrichtenmagazinen (RTL und ZDF) durfte ich die Entwicklung bei Hertie in einen Zusammenhang mit der schwierigen Situation des Warenhaus an sich stellen.
Als Hauptgründe des Niedergangs gelten dabei im allgemeinen:
Konkurrenz durch Vertikale Anbieter (wie H&M oder Zara)
Mangelndes Interesse der Vermieter die Warenhäuser durch günstige Mietkonditionen zu stützen und
veränderte Konsumgewohnheiten insb. Convenience durch kleinere, überschaubarere Geschäfte
Es bleibt abzuwarten, wie eine aus Karstadt und Kaufhof vereinigte Warenhausgruppe langfristig in dieser schwierigen Gesamtlage zurechtkommt (sofern es denn tatsächlich zu einem Zusammenschluß kommt).
Für das Warenhaus spricht sicher die Revitalisierung und das neue Interesse an der Innenstadt insb. unter den den Singles und den Senioren in der deutschen Bevölkerung.