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Fast Forward in die Multisensorik

Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit zu einer persönlichen Führung mit Dr. Wolfram, einem der Väter des neuen Metro-Future Stores in Tönisvorst, durch eben diesen real,- Markt. Während der erste Future Store ausgesprochen techniklastig ausgerichtet war, verfolgt die Metro in dem neuen ein sehr viel ganzheitlicheres Konzept. Technik und Ladenbau bleiben harmonisch im Hintergrund begleiten den Kunden möglichst unauffällig.

Natürlich gibt es auch eine Reihe von technischen Extravaganzen, die besonders die Kassenabwicklung betreffen. So gibt es gleich drei Versionen des Self Scannings und die Bezahlung kann wahlweise mit Fingerabdruck oder per Handy erfolgen. Das funktioniert sogar und wird sich zumindest in Teilen auch flächendeckend einführen lassen.
Als Vorreiter in Sachen RFID nimmt sich die Metro überraschend stark zurück. Die einzige Anwendung im Verkaufsraum betrifft die Warensteuerung bei vorverpacktem Fleisch. Die Kühltruhen sind mit RFID-Readern ausgestattet und erkennen bei welchen Produkten der Abverkauf gut läuft und neue Ware geschnitten und verpackt werden muss. Gleichzeitig werden die Haltbarkeitsdaten ständig überprüft und das Personal informiert, wenn Ware abläuft und aus der Truhe genommen werden muss. So können gleichzeitig Frische und Verlust durch Verderb optimiert werden.

Der Höhepunkt ist aus meiner Sicht aber die multisensorische Ansprache des Kunden.

Überall im Markt wird mit Sound Duschen gearbeitet. Das bietet sich in der CD Abteilung ohnehin an, wo man komfortabel in jede CD hinein hört. Das ganze ist nun aber abteilungsbezogen aufgezogen und mit viel technischer Raffinesse gehen die unterschiedlichen Hintergrundklangbilder störungsfrei in einander über. Man hört dynamische Musik in der Sportabteilung und punktgenau Meeresrauschen nur direkt vor der Fischtheke. Und diese Fischtheke ist ein Kleinod: das Meeresrauschen im Ohr, frischer, leicht salziger Geruch in der Nase, die appetitlich und großzügig auf Eis dargebotenen Fische in der Bedientheke, davor ein projizierter Teppich mit Fischen, die interaktiv reagieren auf die Kinder, die fröhlich über den Teppich springen – diese Verkaufsförderung versetzt mich in die Stimmung zu kaufen.

Das Trockensortiment ist allerdings nicht ganz so spektakulär, sondern eher … eben trocken. Ganz deutlich wird auch wieder am Future Store, dass der Handel auf Frische als Differenzierungsmerkmal setzt. Hier konzentriert er sich und hier setzt er Impulse. Wenn der Markenartikler mit seinen Packaging Goods nicht im multisensorischen Gesamtbild des Marktes untergehen will, so muss er die Verantwortung übernehmen für die Präsentation am POS – und welches Mittel wäre da präsenter als die Verpackung?

Aus der Stadt und aus dem Land

Die allgemeine Erkenntnis, dass die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, ist insofern fehlleitend, als dass regional die Bevölkerungsentwicklung erheblich von einander abweicht. Insbesondere die Landflucht führt in manchen Kreisen zu einer erheblich über dem Durchschnitt liegen Bevölkerungsschrumpfung, während Boomregionen um und in den Großstädten massive Zuwächse und steigende Bevölkerungsdichten aufweisen. Hier entstehen zwei sehr unterschiedliche Umfelder für die Distribution in die Geschäfte hinein.

  • Für das schwächelnde Land geht es darum bei langsamen Umschlag größere Distanzen zwischen einzelnen Standorten zu betreiben ohne das vollsortimentierte, frische Angebot einer Nahversorgung aufzugeben. Doch steigende Dieselpreise machen die Routenplanung schwierig und treiben die Kosten.
  • Für die aus den Nähten platzende Stadt gilt es den Verkehrsinfakt zu verhindern und die alltägliche Anlieferung der florierenden Geschäfte durch eine Flut von Lieferfahrzeugen zu kanalisieren.

Obgleich die Anforderungen der beiden Lagen unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie dennoch ein gemeinsamer Lösungsansatz.
In einer aktuellen Befragung des EHI von 50 Vorständen aus Handel und Industrie denken diese laut darüber nach, das Silodenken in der Distribution zu lockern. Wenn viele Produkte aus europäisch zentral produzierenden Fabriken stammen und wiederum in großer Nachbarschaft zueinander verkauft werden, so scheint es volkswirtschaftlich gesehen, ineffizient ein für jede Vertriebsschiene parallel verlaufende unabhängige Distributionsnetze zu betrieben. Durch den Austausch logistischer Steuerungsdaten – auch horizontal - und vielleicht sogar den gemeinsamen Betrieb einzelner Stationen innerhalb der Logistikkette könnten organisatorische Potenziale gehoben werden, die die Nachteile der Bevölkerungsentwicklung und Energieknappheit kompensieren.
Aber jenseits der logistischen Anforderungen möchte ich den Gedanken noch ein Schritt weitertreiben. Werden wir in solch prägnant unterschiedlichen Stadt und Landumgebungen nicht auch sehr unterschiedliche Verbraucher finden. Auf dem Land eher eine alternde Bevölkerung, in der Stadt eine junge, häufig mit Migrationshintergrund? Was bedeutet dies für die Verpackung? Kann dasselbe Produkt für die unterschiedlichen Logistikkonzepte und Zielgruppen vielleicht ganz andere Ausprägungen der Verpackung verlangen? Einmal eine auf Vorratshaltung und Sicherheit, einmal eine auf Reiz und Sofortbefriedigung optimierte Packungsgröße und Anmutung? Aber ist das überhaupt unter einer Marke zu lösen oder werden wir eher eine Anpassung der Sortimente finden, ein Landsortiment, ein Stadtsortiment und Marken, die entweder hier oder dort funktionieren?

real,- setzt alles auf eine Tüte

Diese Woche ist die neue Kampagne von real,- gestartet.

Unter dem Motto Einmal hin. Alles drin. zeigt man freundliche Gesichter, eine prall gefüllte Tüte, einige innovative Werbeideen und setzt auf den USP der Betriebsform SB-Warenhauses, nämlich das gewaltige Sortiment.

Prospektfoto von ohne-pointe.deDa sich real,- mit dem wenig gelungenen Claim “Besorg’s Dir doch einfach.”  nun wirklich keinen Gefallen getan hatte und nicht nur markentechnisch gegenüber REWE und Edeka deutlich an Boden verloren hat, setzt man nun große Hoffnungen auf die neue Initiative.

Die gute Nachricht ist, daß das aktuelle Konzept besser ist als das alte (welch Wunder) und die Penetration der One-Stop-Shopping Idee gerade im TV durch das Kaufen ganzer Werbeblöcke sehr gut funktioniert.

Leider steht die ganze Betriebsform SB-Warenhaus vor grossen Herausforderungen aufgrund der veränderten demografischen Situation, insb. der Haushaltgrößen, und der gestiegenen Energiekosten, die den Ausflug an den Standtrand nicht günstiger machen.

Insofern ist die Situation von real,- doppelt schwer. Man kämpft gegen die strukturelle Schwäche der Betriebsform und die Fehler der Vergangenheit.

Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, daß Manfred Mandel und seine Mannen sich besonnen haben und gibt real,- eine solide Chance - sofern im Metro Konzern nicht längst andere Überlegungen reifen und man nicht längst einen Käufer sucht.

Was ist eine Handelsmarke?

Häufig steht der Begriff Handelsmarke oder Eigenmarke für jene Artikel, zu denen der Handel die Namensrechte besitzt.  Dieses Verständnis grenzt die Handelsmarkenartikel  vom Markenartikel oder der Herstellermarke ab, wo die Rechte beim Industrieunternehmen liegen.

Ich betrachte diese rechtebezogene Perspektive als wenig zweckdienlich. Dem Konsument ist in der Regel nicht bekannt, wem eine Marke gehört. Aus seiner Perspektive steht die Marke für ein Versprechen, das Versprechen grosser Qualität, besonderen Designs oder herausragender Preiswürdigkeit. Da der Konsument nicht den Markenrechteinhaber identifizieren kann, ist eine solche Abgrenzung Handels- versus Herstellermarke ist keine konsumenten- sondern eine rechteorientierte Perspektive.

Konsumentenorientierte Perspektive
Konsumentenorientierter ist es meines Erachtens die Begrifflichkeit Handelsmarke nicht auf Artikelebene sondern auf Vertriebsschienenebene zu verwenden, d.h. einen Handelsnamen dann als  Handelsmarke zu bezeichnen, wenn er aus Sicht des Konsumenten für ein Versprechen (z.B. Qualität, Preis oder Service) steht.  Beispiele sind etwa Ikea oder Aldi

Das Beispiel REWE
REWE ist in diesem Zusammenhang einen sehr konsequenten Schritt gegangen. Zum einen wurden alle Vertriebsschienen auf den Namen REWE umgetauft und Namen wie Stüssgen oder Kontra aufgegeben. Gleichzeitig wurde eine Imagekampagne gestartet, um den Namen REWE emotional aufzuladen und so zu einer Marke zu entwickeln. Dies entspricht dem vertriebslinienbezogenen und damit konsumentenorientierten Verständnis von Handelsmarke. Als nächsten Schritt führte man REWE wiederum auf Artikelebene ein und ergänzte das Sortiment um als REWE-Produkte gekennzeichnete Artikel. Womit sich der Kreis schließt.   

Wo Technik und Ladenbau harmonieren

Ende Februar trafen sich Handel und Investitionsgüterindustrie auf der EUROSHOP in Düsseldorf. Sowohl Ladenbauer als auch IT-Firmen präsentierten die neuesten Entwicklungen. Ein Schwerpunkt war wie jedes Mal der Checkout, schließlich passiert jeder Kunde die Kasse. Ein guter Kassenprozess trägt wesentlich zum Erfolg bei, da Kundenzufriedenheit und Kosten gleichermaßen beeinflusst werden. So bezeichnen Kunden einen „schnellen Check-Out“ als einen der wesentlichen Faktoren bei der Einkaufsstättenwahl und nennen zu 66% die „Warteschlage“ als den mit Abstand größten Störfaktor beim Einkauf.

Das Aufkommen der Scanning-Systeme - den Anfang machte 1978 die Firma Carl Doderer in einem Augsburger Verbrauchermarkt - führte zu einem beachtlichen Innovationsschub, als Datenkassen mit Tastatur, Scanner und Drucker die voluminösen elektrischen Registrierkassen ablösten.

Seither beobachten wir aber eher nur inkrementelle Verbesserungen, die im wesentlichen auf stabilere Lesetechnik oder besser lesbare Barcodes und schnellere Bondrucktechnologien zurückgehen. Ein Warenkorb von 15-20 Artikel durchläuft das Scannen und Bezahlen heute in ca. 60 Sekunden – ein Ergebnis, das die Technik nicht mehr wesentlich verbessern kann. Das Scannen eines Artikels erfolgt dabei durchschnittlich in knapp unter 2 Sekunden. Der Rest der Zeit ist der Bezahlung gewidmet.

Hier ist das Kundenverhalten von wesentlicher Bedeutung. Ist bereits die Brieftasche zur Hand? Gibt der Kunde centgenau den Betrag? Kennt er seine PIN und weiss auch, wo er sie eingibt? Es sind so vielfältige kundenseitige Faktoren, die hier wirken, daß dieser Teil der Kassenprozesse kaum planbar ist.
Dies haben die Ladenbauer erkannt. So formulierte Carsten Schemberg auf der EUROSHOP in Düsseldorf: „Wichtig ist die leichte Orientierung am Kassentisch für den Kunden inkl. der Kundenführung. Der Kunde muss sofort wissen, was er an welcher Stelle am Kassentisch tun kann.“ Folgerichtig lassen sich verstärkt Allianzen zwischen Kassensystem- und Kassenmöbelhersteller beobachten.

Das bedeutet aber auch, daß die Forderung nach immmer größeren Barcodes oder mehreren auf der Verpackung oder der Wechsel der Barcode-Standards von EAN13 zu einem anderen Standard nicht der wichtigste Hebel zur Beschleunigung des Gesamtprozesses ist. Ein schöner Gedanke - lässt dies doch der Kreativität in der Gestaltung wieder etwas mehr Luft.