Auch zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise gilt es über die Folgen nachzudenken. Während der Konsument wieder in guter Kauflaune ist und der Handel folgerichtig trotz Schneechaos ein erfreuliches Weihnachtsgeschäft vermeldet hat, schwächelt der Immobilienmarkt. Genauer ist es die Sicherstellung der Geldzufuhr durch offene Immobilienfonds, die ungewiss erscheint. Das könnte wiederum zu einem veränderten Shopping-Center Markt führen.
Drei in Deutschland angebotene Fonds werden abgewickelt, insgesamt sind in sieben Immobilienfonds knapp 25 Mrd EUR, etwa ein Drittel der Anlagesumme, eingefroren und damit unsicher. Ob nun damit das ganze Geschäftsmodell des Offenen Immobilienfonds gescheitert ist oder eine Marktbereinigung stattfindet, bei der die Fonds gut dastehen, die in hervorragende Lagen mit guten Mieterstrukturen investiert sind, bleibt abzuwarten.
Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass diese Anlageklasse, die bis zu den ersten Verlusten 2006 den Nimbus der Unfehlbarkeit trug, viel an Vertrauen und damit an Attraktivität für den Anleger eingebüßt hat. Der Nachschub an frischem Kapital könnte also ins Stocken geraten, was dazu führte dass für die wirklich guten Projekte zwar noch Geld da wäre, aber für die anderen nicht.
Der Shopping-Center Markt in Deutschland ist seit 1990 kontinuierlich mit 10-15 Centern pro Jahr gewachsen, anfänglich in den Großstädten und als diese voll waren, dann zunehmend auch in Mittelstädten. Zum 01.01.2011 zählen wir laut EHI Shopping-Center Report 436 Einkaufszentren mit insgesamt 13,7 Mio qm Fläche.
Wann immer wir diese Zahlen veröffentlichen, erreichen uns Fragen von Journalisten, die in etwa lauten: “Brauchen wir noch neue Center?”, “Haben wir nicht schon genug Ladenfläche?”, “Wer soll das alles mieten und wer soll da alles einkaufen?”. Und tatsächlich beobachtet man nun die ersten Center, die ungewohnte Leerstände aufweisen und bei denen die Kalkulation nicht aufzugehen droht.
Es sind diese zwei sich abzeichnenden Entwicklungen, der langsamere Kapitalzufluss und die Sättigung an Ladenflächen, die zu einer neuen Situation am Shopping-Center Markt führen: Ohne Zweifel wird es auch in Zukunft gute und prominente und vielsprechende Neueröffnungen geben, aber sehr viel mehr Augenmerk wird auf die Qualität der neuen, aber auch der bestehenden Center gelegt.
Investitionen in bestehende Shopping - Center werden anziehen, weil vergleichsweise gering gegenüber Neuinvestitionen und weniger riskant, man kennt das Center schließlich. Revitalisierungen sind ein notwendiger Schwerpunkt der Branche in den kommenden Jahren und bedeuten ein Denken in Qualität und nicht in Quantität, was in unserer Gesellschaft des Überflusses wohl auch als zeitgemäß gelten kann.
0 Kommentare ↓
Noch gibt es keinen Kommentar...Fang doch einfach an, indem Du das Formular füllst.
Schreib einen Kommentar