Lebensmittel im Versand vor dem Durchbruch?

Der Anteil des Lebensmittelmarktes am gesamten Einzelhandel beträgt traditionell etwa ein Drittel. Ein solch großes unerschlossenes Potenzial steht natürlich immer wieder im Fokus der Online-Händler und ihrer Fantasien. Das war übrigens auch in den Fünfziger Jahres bereits so als mit dem Siegeszug von Otto, Quelle oder Beate Uhse der Versandhandel erstmals blühte, dann mit dem Entstehen des e-commerce um die Jahrtausendwende. Im Wesentlichen sind es die logistischen Herausforderungen, die man kaum in den Griff bekommt. Sie müssen zum Beispiel verschiedene Kühlungen beherrschen: Tiefkühlung und Pluskühlung und Frische für O&G und ohne Kühlung für das normale Trockensortiment. Sie müssen zum Beispiel eine 100% Lieferquote bieten: Fehlt eine Zutat für eine Essen muss der Kunde doch losfahren und selber einkaufen, dann spart er sich lieber die Lieferung. Sie müssen – ein letztes Beispiel – mit Lieferungen von Kastenware ohne Fahrstuhl in den vierten Stock rechnen: Das erleichtert dem Kunden das Leben, aber zerschießt jede wirtschaftliche Kalkulation.
Es ist einfach so, dass die letzte Meile immer die teuerste ist, und bisher leistet der Kunde hier die Wertschöpfung, indem er im Laden die Ware fein kommissioniert und damit sogar die Qualitätssicherung durchführt, eine Bezahlung vor Ort vornimmt dann alles nach Hause transportiert, wobei das Risiko durch das Unterbrechen der Kühlkette selbstverständlich akzeptiert wird. Diese Leistung übernimmt der Kunde für den stationären Händler und diese Leistung kann der Versandhändler nur mit substantiellen Mehrkosten organisieren. Mehrkosten, die der deutsche Verbraucher en gros bisher nicht tragen möchte.

Mit dem Markteintritt von amazon ist endlich wieder Bewegung da und man sucht verstärkt nach Lösungen. Die hohe Durchdringung des Internets in unser aller Leben und die Möglichkeit mit auch nur 2% des Gesamtmarktes schon ordentliche Umsätze zu generieren, sind eine Chance für Innovatoren. Ein Markt sind sicherlich die Spezialitäten, also Produkte, die Sie nicht vor der Haustür erhalten. Eine etwas spannender Ansatz wäre die Vernetzung von Kühlschrank und Supermarkt und die automatische Lieferung von Basisartikeln, wie Milch oder Brot oder Wasser und Bier. So etwas sehe ich aber eher über lokale Lieferstrukturen bei einem zentral organisierten Bestellsystem – schwierig. Aber einen sehr bodenständigen Vorschlag habe ich auch: Gerade selbstständige Kaufleute sollten sich auf Service konzentrieren und ihren Kunden eine Hauslieferung anbieten – sofern sie das nicht ohnehin schon immer als selbstverständlich taten.

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