Die Handelslandschaft ist heute geprägt von einem Überangebot an Produkten und Verkaufsflächen. So steht der Kunde z.B. im SB-Warenhaus laut EHI – Sortimentsbreitenerhebung einem Angebot von 800 bis 900 gekühlten Milchprodukten gegenüber, soviel Auswahl wie bis vor kurzem der klassische Discounter insgesamt bot. Diese haben mittlerweile aber auch ihre Zurückhaltung aufgegeben und das Gesamtsortiment auf 2.000 – 3.000 Artikel ausgebaut. Der einfache Eintrag „Erdbeerjoghurt“ auf meiner Einkaufsliste übersetzt sich auf 15 potentielle Artikel im Angebot, eine Auswahl auf objektiven Kriterien scheitert in Ermangelung entsprechender Fachkenntnisse. Der Preis eignet sich auch nicht mehr als Indiz der Qualität, zumal in fast allen Kategorien alle Preisklassen die Basisanforderungen übererfüllen. Das engmaschige Filialnetz der großen Ketten gibt dem Auto fahrenden Kunden viele Alternativen, wobei in der Regel in allen Märkten fast die gleichen Produkte stehen. Objektiv eine Pattsituation.
Vor diesem Hintergrund ist die Entdeckung der Marke durch den Handel zu bewerten. Und zwar nicht die Marke des Herstellers, sondern die eigenen Marke im Sinne der Vertriebslinie und die dort angebotenen Handelsmarken.
Setzte EDEKA mit originellen „Wir lieben Lebensmittel“ Fernsehspots auf eine für alle liebenswerte Entwicklung einer eigenen emotionalisierten Identität, so hat REWE mit dem Launch der REWE Handelsmarke die Schlagzahl erheblich erhöht. Der Flyer der KW 23 forderte auf zu vergleichen und positionierte Hersteller- und Handelsmarke direkt gegeneinander. Auffällig ist dabei die Bedeutung der Verpackung, die in der Anmutung der verglichenen Produkte sich annähert.
Wo eine objektive Auswahlentscheidung nämlich nicht möglich ist, muss der Handel emotionalisieren. Dies kann er am effektivsten am Point of Sale. Neben den üblichen Verdächtigen wie Beleuchtung, Plakaten oder Hintergrundmusik ist es doch die Ware - präsentiert in ihrer Verpackung - die am direktesten wirkt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Verpackung zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Da werden nicht nur Handelsmarken in der Primärverpackung extrem aufgewertet und treten in Konkurrenz zum Hersteller, sondern auch Sekundärverpackungen werden im ganzen Kontext der Shelf Ready Packaging Initiative zu farbigen, kommunikativen, präsentablen, wertschöpfenden Instrumenten weiterentwickelt.
Aus dem Anfang des Jahrzehnts herrschenden Preiswettbewerb ist zunehmend ein Innovationswettbewerb geworden, wo auch nun die Hersteller auf die neue Herausforderung durch den Handel reagieren. Sogar komplizierte wissenschaftliche Erkenntnisse aus der neuronalen Forschung werden bemüht, um am POS objektive Pattsituationen mit emotionaler Ansprache zu überwinden.
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