Einträge von April 2007 ↓

Im Bermuda Dreieck des Handels

Wenn die Gewinne im deutschen Einzelhandel verschwindend gering ausfallen, liegt das auch an der großen Varianz in der Qualifikation der Mitarbeiter, die von ausgebildeten Einzelhandelskauffrauen und –männern bis zu ungelernten Hilfskräfte reicht. Am Ende der Kette muss der Einzelhandel Definitionsspielräume, Ungenauigkeiten, Abweichungen vom Plan, aber auch einfach vorgelagerte Fehler flexibel ausgleichen. Zudem erbringt der Handel diese Leistung an hunderten oder gar tausenden Standorten deutschlandweit verteilt, die Aufmerksamkeit des Managements für einen einzelnen Standort ist zeitlich streng begrenzt.

Die Varianz in Mitarbeiterkompetenz, die hohe Anzahl von Ladengeschäften und die Notwendigkeit zur Flexibilität bilden ein gefährlich undurchsichtiges Bermuda-Dreieck für Erträge und Renditen. Aktuelle Bestrebungen zur notwendigen Optimierung der Filialprozesse setzen daher bereits in der Vorstufe an.Ein dringliches Projekt ist die filialgerechte Kommissionierung. Hierbei wird bereits im Zentrallager so vorsortiert kommissioniert, dass im Geschäft die Ware nur noch vom Trolley von oben nach unten heruntergenommen und ins Regal gestellt werden muss. Der Mitarbeiter vor Ort braucht nun nicht mehr spontan auf eine scheinbar zufällige Anordnung der Ware flexibel zu reagieren. Einräumwege werden gespart. Vorleistung ist aber die zentrale Kenntnis der Store-Layouts und Belegungspläne. Dann lichtet sich der Nebel im Dreieck.

Ein anderes Projekt bezieht sich auf die abverkaufsgerechte Transportverpackung. Hier hat es auf Initiative des englischen Handels eine europäische Weiterentwicklung der in Deutschland gut eingeführten Efficient Unit Loads Empfehlungen gegeben. Insbesondere im Marketingbereich lassen sich sinnvolle Ergänzungen feststellen. Im Februar sind die Shelf-Ready-Packaging- Empfehlungen publiziert worden.

Laut aktuellen EHI-Zahlen liegen aber im Supermarkt zwischen den Sortimenten erhebliche Unterschiede in der Verwendung von regaltauglichen Umkartons vor. Die Spanne reicht hier von unter 10% bei Drogerieartikeln bis zu 80% bei Fertiggerichten und Suppen. Wie viel SRP eine Warengruppe braucht, kann nur auf Basis einer fundierten Wirtschaftlichkeitsrechnung entschieden werden.

Die Optimierung der Filialprozesse beginnt beim Markenartiklers – eine Erkenntnis, die eine erhebliche Wirkung verspricht. Bei der ungleichen Verteilung von Investitionen und Nutzen zwischen den Handel und Industrie besteht aber noch viel Klärungsbedarf, bevor ruhiges Wasser in Sicht kommt.