11. August 2008 — Medien
Gerade weil die Namen Kaufhof, Karstadt, Hertie, Wehmeyer, Sinn-Leffers seit Jahrzehnten zum Stamm der deutschen Einzelhandelslandschaft zählten und die Kunden mit diesen Handelsmarken Erinnerungen und Emotionen verbinden, sind die aktuellen Schwierigkeiten und Insolvenzen insbesondere bei den ehemaligen Karstadt - Töchtern von hohem Interesse auch und gerade in den breiten Publikumsmedien.
Die Interviews zu diesem Thema häufen sich gerade, ich denke Rolf Wenkel von der Deutsche Welle hat meine Analysen gut zusammengefasst.
5. August 2008 — Analyse
Die allgemeine Erkenntnis, dass die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, ist insofern fehlleitend, als dass regional die Bevölkerungsentwicklung erheblich von einander abweicht. Insbesondere die Landflucht führt in manchen Kreisen zu einer erheblich über dem Durchschnitt liegen Bevölkerungsschrumpfung, während Boomregionen um und in den Großstädten massive Zuwächse und steigende Bevölkerungsdichten aufweisen. Hier entstehen zwei sehr unterschiedliche Umfelder für die Distribution in die Geschäfte hinein.
- Für das schwächelnde Land geht es darum bei langsamen Umschlag größere Distanzen zwischen einzelnen Standorten zu betreiben ohne das vollsortimentierte, frische Angebot einer Nahversorgung aufzugeben. Doch steigende Dieselpreise machen die Routenplanung schwierig und treiben die Kosten.
- Für die aus den Nähten platzende Stadt gilt es den Verkehrsinfakt zu verhindern und die alltägliche Anlieferung der florierenden Geschäfte durch eine Flut von Lieferfahrzeugen zu kanalisieren.
Obgleich die Anforderungen der beiden Lagen unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie dennoch ein gemeinsamer Lösungsansatz.
In einer aktuellen Befragung des EHI von 50 Vorständen aus Handel und Industrie denken diese laut darüber nach, das Silodenken in der Distribution zu lockern. Wenn viele Produkte aus europäisch zentral produzierenden Fabriken stammen und wiederum in großer Nachbarschaft zueinander verkauft werden, so scheint es volkswirtschaftlich gesehen, ineffizient ein für jede Vertriebsschiene parallel verlaufende unabhängige Distributionsnetze zu betrieben. Durch den Austausch logistischer Steuerungsdaten – auch horizontal - und vielleicht sogar den gemeinsamen Betrieb einzelner Stationen innerhalb der Logistikkette könnten organisatorische Potenziale gehoben werden, die die Nachteile der Bevölkerungsentwicklung und Energieknappheit kompensieren.
Aber jenseits der logistischen Anforderungen möchte ich den Gedanken noch ein Schritt weitertreiben. Werden wir in solch prägnant unterschiedlichen Stadt und Landumgebungen nicht auch sehr unterschiedliche Verbraucher finden. Auf dem Land eher eine alternde Bevölkerung, in der Stadt eine junge, häufig mit Migrationshintergrund? Was bedeutet dies für die Verpackung? Kann dasselbe Produkt für die unterschiedlichen Logistikkonzepte und Zielgruppen vielleicht ganz andere Ausprägungen der Verpackung verlangen? Einmal eine auf Vorratshaltung und Sicherheit, einmal eine auf Reiz und Sofortbefriedigung optimierte Packungsgröße und Anmutung? Aber ist das überhaupt unter einer Marke zu lösen oder werden wir eher eine Anpassung der Sortimente finden, ein Landsortiment, ein Stadtsortiment und Marken, die entweder hier oder dort funktionieren?
20. Mai 2008 — Kurzmeldung
Laut aktueller Zahlen des EHI sind bis Anfang 2009 weitere 15 Shopping Center in Planung, die eine Gesamtfläche von voraussichtlich etwa 13,1 Millionen Quadratmetern einnehmen werden. Die durchschnittliche Fläche eines Centers beträgt rund 31.600 qm. Im Gegensatz zu den Dimensionen von Shopping Centern vor zehn Jahren ist deutlich ein Trend zu kleineren Flächen erkennbar. Das ist bedingt durch die Veränderung in den bevorzugten Innenstadt- und Stadtteillagen. Der klare Trend zur zentralen Lage hält somit an. In der Innenstadt wird sich der Wettbewerb zwischen traditioneller Einkaufsmeile und professionell geführtem Shopping Center also weiter verschärfen. In wie weit der selbständige Einzelhandel davon profitiert oder aber leidet, hängt in hohem Maße von der Integration der Center ab. Betrachtet man die Standortlagen aller in Deutschland existierenden Shopping Center sieht die Verteilung wie folgt aus: Innenstadt: 42,3 Prozent, Stadtteil: 38,9 Prozent und grüne Wiese: 18,8 Prozent.
4. Mai 2008 — Analyse
Diese Woche ist die neue Kampagne von real,- gestartet.
Unter dem Motto Einmal hin. Alles drin. zeigt man freundliche Gesichter, eine prall gefüllte Tüte, einige innovative Werbeideen und setzt auf den USP der Betriebsform SB-Warenhauses, nämlich das gewaltige Sortiment.
Da sich real,- mit dem wenig gelungenen Claim “Besorg’s Dir doch einfach.” nun wirklich keinen Gefallen getan hatte und nicht nur markentechnisch gegenüber REWE und Edeka deutlich an Boden verloren hat, setzt man nun große Hoffnungen auf die neue Initiative.
Die gute Nachricht ist, daß das aktuelle Konzept besser ist als das alte (welch Wunder) und die Penetration der One-Stop-Shopping Idee gerade im TV durch das Kaufen ganzer Werbeblöcke sehr gut funktioniert.
Leider steht die ganze Betriebsform SB-Warenhaus vor grossen Herausforderungen aufgrund der veränderten demografischen Situation, insb. der Haushaltgrößen, und der gestiegenen Energiekosten, die den Ausflug an den Standtrand nicht günstiger machen.
Insofern ist die Situation von real,- doppelt schwer. Man kämpft gegen die strukturelle Schwäche der Betriebsform und die Fehler der Vergangenheit.
Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, daß Manfred Mandel und seine Mannen sich besonnen haben und gibt real,- eine solide Chance - sofern im Metro Konzern nicht längst andere Überlegungen reifen und man nicht längst einen Käufer sucht.
25. April 2008 — Medien
In der ARD findet die Themenwoche “Chancen einer alternden Bevölkerung - Mehr Zeit zu Leben” statt. Zeitgleich startet die interpack Messe in Düsseldorf (noch bis zum 30.April), wo die vom EHI organisierte Sonderschau INNOVATIONPARC PACKAGING, einige Exponate zur seniorengerechten Verpackung präsentiert.
Der NDR hat dementsprechend 1 und 1 zusammengezählt und einen Beitrag zur Verpackung für Senioren produziert, in dem ich einige wichtige Erkenntnisse zusammenfassen darf.
[Update 07. Mai 2008 : Der Inhalt des Radiobeitrags vom NDR findet sich auch in in weiten Teilen sinngemäß auch in einigen Zeitungen wieder]